|
04. Juni 2005 Auf den Spuren Goethes ... nach Schloss Ettersburg und Kromsdorf |
|
| Eine Busfahrt führte die Mitglieder der Goethe-Gesellschaft Rudolstadt und einige Gäste am Wochende ins Weimarer Land. Von dort folgten wir dem bequemen Maria-Pawlowna-Weg durch die Auenlandschaft nach Kromsdorf, benannt nach der Zarentochter, die Weimar zu einer zweiten kulturellen Blütezeit, dem "silbernen Zeitalter", führte. Sie selber konnte diesen schönen Weg freilich nicht begehen, weil sich die betroffenen Bauern lange und erfolgreich gegen seine Anlegung sträubten. Mit den dort aufgestellten 64 Büsten historischer Persönlichkeiten, die beherzte Dorfbewohner über den Zweiten Weltkrieg retteten, wollte er die"große Welt" auf seinen abgelegenen Landsitz holen. 1904 erwarb der Weimarer Kammerherr von Conta das Schloss und nahm wesentliche Umbauten vor. Heute bieten das Schloss und die rekonstruierte Kapelle Raum für vielfältige kulturelle Einrichtungen und Aktvtäten, wie Theater, Konzert und Ausstellungen, für eine Bibliothek und für Filmvorführungen. Auch eine Gaststätte ist geöffnet. Nach einem üppigen Mittagessen im Windmühlenrestaurant zu Heichelheim, der "Hochburg" der Thüringer Klöße, war unser letztes Ziel Schloss Ettersburg. Diese stattliche Dreiseitanlage mit einem quer angeordneten Repräsentationsbau zeigt sich heute trotz mancher Sicherungs- und Dacharbeiten in einem ruinösen Zustand. Zur Goethezeit war das in einer idyllischen Parklandschaft gelegene Schloss Schauplatz höfischer Geselligkeiten, die die Bauern der Umgebung nicht ausschlossen. Durch heute noch erkennbare Schneisen wurde das Wild vor die Flinten der adligen Jagdgesellschaft getrieben. Goethe hielt sich hier gerne auf, und auch Schiller genoss die Atmosphäre dieses Ortes bei der Arbeit an "Maria Stuart". Aus der wechselvollen Nutzungsgeschichte von Schloss Etterburg fand unser besonderes Interesse die Tatsache, dass es von 1926 bis Kriegsende eine Hermann-Lietz-Schule beherbergte. Diese humanistische Bildungseinrichtung behauptete sich offenbar im Spagat zwischen vorsichtiger Distanzierung und gebotener Anpassung gegenüber dem NS-System. Dieses war in der idyllischen Landschaft stets gegenwärtig: Nur eine halbe Stunde Fußweg trennte Ettersburg vom Ort der braunen Barbarei, dem KZ Buchenwald. Wolfgang Werner |
![]() |
![]() |
|